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Homunculus Politicae -
Ein Silvester-Maerchen

Homunculus Politicae

Es war einmal... in einem fernen Land, da lebte ein fleißiges und
friedvolles Völkchen. Dieses Völkchen mühte sich auf den Feldern
unter einer ständig strahlenden, gleißenden Sonne; Denn seit Jahr und
Tag hielt ein rotgesichtiger Sonnenkönig sein Zepter über die
Menschen, bestimmte ihr Schicksal und lies nicht zu, dass jemals eine
andere Wetterlage herrschte.

Dennoch waren die Menschen nicht unbedingt unglücklich. Man arbeite
hart, doch der Lohn der Arbeit war beträchtlich, man war frei und
stolz und die Straßen voll prunkvoller Bauten. In den prunkvollsten
waren gar selbstbewusste Banner zu lesen: A.E.I.O.U. - Austria erit
in orbe ultima.

Und weil sich selbst die Ältesten aus dem Volke kaum mehr daran
erinnern konnten, dass je ein anderer als der rotgesichtige
Sonnenkönig das Land regierte darum blieb jede erfrischende
Veränderung Fiktion und die einzige Alternative, ein kühler Fürst mit
magischem Antlitz, ein belächeltes Hirngespinst bei gut temperiertem
Bier.

Doch eines heißen Augussttages entschloss Gott sich die Welt zu
berühren und schickte den Menschen die gewaltigste Botschaft, die sie
je gesehen hatten. In dieser Stunde verwandelte sich die Sonne zu
einem kreisrunden Lichtkegel entlud in drei Minuten dreißig alle
Herrlichkeit und Glorie.

Verblendet und ungläubig starrten die Menschen in den Himmel und
konnten sich nicht losreißen von dem geeinten Ring aus überirdischem
Blau-Schwarz, der da über ihren Köpfen - gleich einer Vision eines
cooleren Lebens - entstand.

Es wurde ruhig an allen Stellen und kein Vogel wagte zu zwitschern.
Selbst im Dom zu Sankt Stephan verstummten die Falken; Nur unten im
Mittschiff hat man die knabenhafte Kopfstimme eines beschnittenen
Mönchs vernommen, der nackt auf dem Steinboden liegend mit einem
'Cyrie Elesion' die innegehaltene Welt behauchte.

Dies war die Zeit der Verblendung, der gottgewollten Versuchung. Eine
Phase in der viele die kosmische Botschaft tief in der Seele
aufflackern spürten und zu transitionalen Medien wurden. Da waren
tausende die sich dieses eindrucksvolle Schauspiel täglich wünschten
und dafür ihre Familien verliesen, sich vom Sonnenkönig lossagten und
den chileastischen Wechsel herbeisehnten. Und so zogen die Menschen
massenweise zum coolen Magier des schwarz-blau und schenkten ihm
Myrre, Salbei und Stimmen.

Glücksfugengleich rief bald darauf der Hofburgs-Maschall zu
allgemeinen, freien Wahlen. Viele von ihnen gingen allein von der
kosmischen Radiation geführt zum Urnieren und taten was zu tun war um
es den nunmehr verhassten blutroten Sonnenkindern kreuz- und
kreuzerlweise zu besorgen.

Welch ein Sonntag für das friedliebende Völkchen; Als am Abend die
Resultate bekannt wurden zog erstmals ein bejubelter kühler Wind über
die Berge, die Gipfelkreuze begannen zu glühen, violettes Licht kroch
durch die Grate, die Föhren legten ihre Nadeln an und die Heide
verblasste.

Das Zucken der Blitze dieser Nacht verhieß den Untergang des
klebrigen Sonnenreiches; Die rote Sonne würde versinken und ihrer
statt eine schwarz-blaue Scheibe den Himmel erleuchten.

Und tatsächlich solle der grinsende Fürst bald das Zepter von den
scheidenden Sonnenmenschen übernehmen. Als sie da alle wortlos
abtraten, da wurde einem jeden gewahr: Dies war wahrhaftig die Wende,
das Ende des Königs und aller großmütigen Eileiterhalter. Oh ja,
hinfort mit all dem zaukären Myzel, dem polikrauten Semil, all den
Ausgeburten von Dump und endokrinem Hump!

Schluss mit alldem! Fraterniere dich Hütergeist! In crucem figere die
projici deiner Sonnenwinde! Aeternitas für die Glorie des blú-noir.
Seht da das neue Banner: A.E.I.O.U. - Austria est imperare orbi
universo.

Und ja, auch wenn es ihm schwerfiel: Der Hofburgs-Marschall stieg mit
dem dunklen Fürsten bald die Katakomben hinab und überreichte ihm da
tief unter der Erde das Zepter seiner neuen Regentschaft.

In diesen Tagen wurde den Solanern freilich der letzte Wind aus den
Sonnensegeln genommen. Viele von ihnen krochen in ihre Fässer um ihr
Ende zu erwarten. Die Gaukler und Fatalisten in ihren Reihen
erzählten täglich mehr vom Sternentod; Davon, dass aus roten Riesen
stets schwarze Zwerge würden und die sauren Wiesen versengten.

Doch just zu der Zeit, da sie da im Selbstmitleid lagen, erschienen
drei Weise, die auf der Suche nach dem bekannten roten Alpenglühen
waren.

Welch göttliche Fügung! Voll Freude sammelten die verarmten
Sonnenkinder ein letztes Mal in ihren eigenen Reihen und tatsächlich
schafften sie es den drei Weisen drei Geschenke darzubringen: Es
waren die letzten Reste vom Alpenglühen, vom Alpenglühwein und auch
vom Jagatee.

Da frohlockten die blassen Weisen, und noch in derselben Stunde
gingen sie daran ein okkultes Gegen-Banner über dem Alpenland
aufzuziehen; Sie entschieden, dass kein Lux der verheerenden Schwärze
über die Pässe dringen dürfe, verkündeten den Abbruch der Kontakte,
das Ende der Lustigkeit, den viennalen Abortus.

Den Blaustichigen im Siegestaumel ging das durch Mark und Bein.
Derart rauhen Ton warden sie noch nie gewahr geworden. Sie stutzen
und konspirierten und hingen getrocknete Jungfernhäutchen in den Wind
um zu deuten was im Futur stand.

Und bald darauf, während einer partiellen Sonnenfinsternis, zornig
darüber, nicht völlig verdunkeln zu können, fasste der Fürst einen
kühnen Plan. Er schickte heimlich seinen loyalsten Dienstmann in die
Gänge der vertrocknenden Sonnenkinder um eben jenes Banner zu
kupieren, das ihnen die drei Weisen als Sanktus dagelassen hatten.

Der Dienstmann fand sich auch gut zurecht da in den hohlen Gassen und
er erwischte bald das geforderte Banner, doch auf seinem Rückweg aus
der Pforte begegnete er einer sagenhaften Schönheit. Einem zierlichen
Mädchen das mangels B-Karotin wohl so bleich war wie die Kreide, die
der dunkelblaue Fürst gern schluckte.

Er hielt minutenlang inne, hin und hergerissen zwischen Pflicht und
Liebe, doch schließlich wurde er sich seiner Mission gewahr und
brachte das gezogene Banner dem dunklen Fürsten, der es in
schallendem Gelächter zerschnippte.

Das war der Moment des furiosen Triumphes im nun ungefährdeten Reich.
Denn der kühle Fürst war der Einzige, der jetzt noch ein Banner in
Händen hielt. Und weil er voll Überschwang war konnte man auf dem
jüngsten Entwurf, der ganz oben auf der höchsten Zinne wehte lesen:
A.E.I.O.U. - Alles Erdreich ist Oesterreich untertan.

Nun schritten die Menschen täglich an diesen Bannern vorüber, recht
stolz und froh nicht länger unter der sengenden Sonne arbeiten zu
müssen. Oh nein, sie hatten jetzt leichtes Geschäft im erträglichen
Wintertourismus, der - wohl wegen des Zaubers während einer
Sonnenfinsternis carven gehen zu können - sensationelle Werte
erreichte.

Selbst die Gendarmen und Gesetzeshüter dieser Tage waren in blue mood
und selig freundlich und bewiesen stets aufs neue - selbst bei den
paar jämmerlichen Demonstrationen der schwindenden Sonnenkinder - wie
friedlich sich eine Garnison eigentlich die Zehen abfrieren kann.

Genauso tat's auch der geschätzte Dienstmann der im Grunde ja ein
einfacher Mensch war und sich nur ruhigen Frieden wünschte.
Allerdings lies ihm der Gedanke an seine Elfe, die grad larvengleich
irgendwo im Dunklen ihr Seelenleuchten aufgab recht wenig Frieden.

Darum entschwand er eines dunkelblauen Morgens hinter der Tapetentür
vom Hofburgs-Marschall und beichtete von dem Geheimnis, das ihm
sosehr unter den Nägeln brannte.

Oh Ficus Benjamin, das gab neuerlich eine fulminante Tragödie und
auch einen Triumphzug, diesmal allerdings für alle auferstandenen
Sonnenanbeter.

An diesem Tag nämlich sah man die letzte totale Eclipse im dunklen
Reich. Es trat der Hofburgs-Marschall vor seine errigierten
Standmikrophone und erklärte die koronale Regentschaft für betrogen,
erschwindelt und erloschen.

Und so erschien über dem geprüften Land abermals eine rötliche Sonne
und die frierenden Menschen, die diese Abwechslung anfangs sehr
willkommen hießen begannen zu tanzen und bald wieder zu schwitzen und
hohe Lichtschutzfaktoren aufzutragen; In der Ferne konnte man den
braven Dienstmann sehen, der seiner erstrahlenden Lilie innig durchs
Haar fuhr und auch einige hähmisch grinsende Sonnenseitige, denn es
waren längst noch nicht alle ihre Wiesen vertrocknet.

Der dunkle Fürst hingegen, der all seine Banner verspielt hatte wurde
delogiert und ruderte nach Madagaskar, wo er für 2002 die Neuankunft
einer finsteren Korona erwartete.

Sponsored by: Franz
Datum: 23.11.2001

Rubrik: Grenzgeniales
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