Rubriken 18.08.2019    Artikel

afn^Script
Aktuell
Amtliche Mitteilungen
ASCII Art
BOESes
Canto
Dependance
Der Nonsige Fortsetzungsroman
Ernährungsberatung
Es war einmal
Grenzgeniales
Kartengrüsse
Kreatives
Lyrics
Mastelsche Ursel
Postingstile
RL-Treffen
Stammtisch
Statistik

 

Artikel suchen:

Die Gruselgeschichte

Es begab sich, dass in der afn, die Gruselgeschichte gesponnen 
wurde. Regina hat das für uns mal zusammengefasst:

Der allerletzte Mensch der Erde liegt nachts allein im Bett. Auf
einmal klopft es, der allerletzte Mensch der Erde öffnet die Tür, wohl
wissend, was ihn da erwarten möge und es haut ihn um, als er sieht, dass
er ohne seine Pantoffeln zur Tür gegangen ist und ihm nun die Zehen ganz
schrecklich frieren. Er geht zurück zum Bett, zieht seine
warmen Fellfinken an und geht wieder zur Türe, da entdeckt er, dass er
kein Nachthemd anhat. Ist ja auch nicht nötig, da er der letzte Mensch
auf Erden war und er keinen Besuch erwartete, aber jetzt, da es klopfte,
dachte er sich, ich zieh mich manierlich an und so ging er wieder zurück
zum Bett, zog sich sein Nachthemd an und machte sich wieder auf den Weg
zur Türe. Da stand er nun und horchte erstmal mit dem Ohr an der Türe!
Er horchte und horchte, aber das Einzige was er hören konnte, waren die
schmatzenden Holzwürmer die sich genüsslich ihren Wamps mit dem alten
Eichenholz vollstopften! Was sollte er machen? Ins Bett gehen oder doch
die Türe öffnen, fragte er sich.
Er schlurfte nach einigem Überlegen zurück zum Bett, schlug die Decke
wieder auf und wollte sich gerade hinlegen, als er es wieder hörte:
*klopf-klopf-klopf* Es klang irgendwie schwächlich. Fast, als wenn ein
seeeeeeehr alter Mann vor der Türe stehen würde. Da wurde er von Mitleid
übermannt und wandte sich wieder der Tür zu als plötzlich sein
Reisewecker, welchen er zu unterst in der Schublaude verstaut hatte, zu
rasseln begann. Er erschrack fürchterlich, vergass dabei das Klopfen an
der Türe, drehte sich um, ging zur Schublade, öffnete sie und begann
nach dem scheppernden Ding zu suchen. Er fand es nicht sofort und
während er noch weiter wühlte fand er Dinge welche er schon lange
vermisst hatte. Er fand eine Sonderausgabe der "Krieg der Sterne"
Zehnologie auf DVD, seine dritten Zähne und auch die seiner verstorbenen
Frau, zwei Packungen Kukident Haftcreme, eine Schokoladeosterhasen, eine
einzelne Socke, fünf angeknabberte Hundekekse, das Gerippe einer Maus,
den Oberschenkelknochen eines Schweizers (eine lange zuvor ausgestorbene
Menschengattung) und zuguterletzt und seinem allergrössten Erstaunen
fand er auch etwas, das ihn irgendwie rührselig machte, ja sogar ein
bisschen traurig, es war das rosarote Kondom, welches er bei seinem
Allererstenmale trug!
Warum hatte er es eigentlich behalten? Tausend Gedanken schossen ihm
durch den Kopf und trugen ihn zugleich in die Zeit und an der Ort wo
er zum Allererstenmale mit einem Mädchen DAS machen wollte. "Sie
schaute ihn mit ihren tiefblauen Augen verlangend an. Auch ohne Worte
verstand er was sie sagen wollte. Nimm mich- jetzt! Und er zog aus
seiner Westentasche das rosarote Kondom und stülpte es sich über. Kaum
hatte er es aufgesetzt- klopfte es wie wild an der Türe und der Vater
des Mädchens trat mit finstrer Mine ein....! Er erwachte aus seinem
Tagestraum. Er fühlte sich noch ein klein wenig benommen, als er
realisierte weshalb er aus seinen Gedanken gerissen wurde!
*klopf-klopf-klopf*. Es war die Türe! Es klopfte wieder an die Türe und
er schreckte hoch. Zu sehr war er seinen Tagträumen nachgehangen und
hatte darüber völlig vergessen, warum er eigentlich zum Bett
zurückgekehrt war. Er wollte sich gerade auf den Weg zur Türe machen,
als er bemerkte, dass sich ein grosser blauer Fleck über Bettdecke,
Leintuch und Kissenbezug erstreckte. Das Tintenfass, welches er sorglos
dorthin gestellt hatte war umgekippt.
Nun dachte er bei sich, dass es nicht schön aussehen würde, käme der
Besuch herein und die Bettwäsche wäre voller Flecken. Er schlurfte also
zum Wäscheschrank um neue Bezüge zu holen. Er nahm den ersten, der ganz
oben auf lag, es war ein Österreichbezug. Als das Bett frisch gemacht
war strahlten ihm Kaiserin Sissi und Wolfgang Amadeus Mozart entgegen
und im Hintergrund des Kopfkissens konnte man einen Gletscher erkennen,
welcher mittlerweile längst geschmolzen war. So stand er da, betrachtete
träumerisch seinen Österreichbezug und begann darüber nachzudenken, wie
es früher war. Er dachte an das kleine klebrige, seltsam grüne, fettig
aussehende
Kunstbäumchen, welches er am Christkindelmarkt in Salzburg gekauft
hatte. Er musste es kaufen, weil er sich sagte, dass er dann auch
nicht nach dem Weihnachtsfest die ganzen Tannennadeln aufheben müsse,
und er könne den Baum in den nächsten Jahren immer wieder benutzen.
Schon war er wieder in seinen Träumen verloren:
Er lud das Kunststückchen in sein Auto ein. Es waren 30°C im Schatten,
deshalb lies er das Fenster seines neuen Renault aufstehen.
Plötzlich, als er an einer Ampel warten musste, kam ein Vogel an das
Fenster geflogen und quatschte mit dem Baum. Er dachte, dies ginge
nicht, denn der Baum sei ja künstlich. Nachdem er diese Gedanken laut
ausgesprochen hatte, sahen alle Autofahrer in seiner Nähe etwas
entsetzt auf ihn, sie dachten wohl, er spreche mit einem Vogel oder
einem Baum, wo doch Vögel und Bäume nicht sprechen können. Dann 
trugen ihn seine Träume weiter, weg vom Verkehr in den Städten und
hinaus auf's Land. Er erinnerte sich daran, wie er mit seiner ersten
Freundin unter eine uralten Linde gesessen hatte, und sie, jung und
schwer verliebt, ein Herz in die Rinde des Baumes geschnitzt hatten.
Auch hatten sie ihre Initialen in die Mitte des Herzes geschrieben, dann
hatten sie sich unter ebendiesem Baum den ersten Kuss gegeben. Sie
legten sich ins, vom Morgentau feuchte Gras, und beobachteten die
Wolken, die ober ihnen vorbeizogen, während er ihr "Am Brunnen vor dem
Tore, da steht ein Lindenbaum" vorsang.
Von seinem schönen Gesang angezogen, liess sich ein Specht auf der Linde
nieder... *pok-pok-pok* machte der Specht, während er mit seinem
Schnabel auf die Linde einhämmerte. *pok-pok-klopf*...
*klopf-klopf-klopf* Er schreckte aus seinen Tagträumen hoch. Es war
immer noch da, das Klopfen an der Türe. Irgendwann war es soweit,
irgendwann musste er die Türe öffnen, also besann er sich seiner
männlichen Seite, die da keine Angst zeigen
wollte. Er wollte Mann sein, stark und zielstrebig und dem Klopfen auf
die Spur gehen. Ja das wollte er. Er versuchte ein grimiges Gesicht zu
machen, was ihm aber nicht so gelang wie er wollte. Aber was spielte
das schon für eine Rolle. Er war doch der letzte Mensch auf Erden,
also wer sollte ihn schon sehen. Aber war er wirklich der letzte
Mensch? Wer oder was klopfte also da? Er zog seinen ganzen Mut
zusammen, biss sich dabei auf die Zunge bis sie blutete und ging zur
Türe. Er nahm zögerlich die Klinke in die dings-da Hand, mit der
linken würde er den Schlüssel umdrehen und die Türe öffenen. Himmel,
warum schloss er eigentlich immer die Türe ab? Er war doch der letzte
Mensch, sozusagen ein Mano-Mann? Warum also... Gedanken versunken
bemerkte er nicht einmal wie er den Schlüssel drehte und die Türklinke
langsam nach unten zog und die Tuer sich nicht oeffnen lies. Erschrocken
liess er die Klinke
los. Die Tuer war noch immer verschlossen. "Klopf-klopf-klopf". Wieder,
aber
diesmal bewusst und mit zittriger Hand, drueckte er die Klinke nach
unten
und zog. Die Tuer klemmte! Hab ich nun wirklich abgeschlossen oder
nicht? Er
drehte den Schluessel, drueckte wieder auf die Tuerklinke - nichts
geschah.
Wieder drehte er an dem Schluessel - betaetigte noch einmal die
Tuerklinke -
nichts! Die Tuer liess sich einfach nicht oeffnen. Bissig dachte er
daran,
dass er die Tuer haette reparieren lassen sollen, als der Zimmermann
noch
lebte. Nun wuerde sich niemand mehr finden. "Klopf-klopf-klopf" Nun
wurde er
doch langsam nervoes und ruettelte und schuettelte so lange an seiner
Tuer bis die Klinke schliesslich abbrach. Verdammt! Was jetzt? Jetzt
konnte er dem Besuch im wahrsten Sinne des Wortes die Klinke in die Hand
geben. Da stand er nun, die Klinke in der einen Hand, in der anderen den
Schlüssel. Nur die Tür war immer noch nicht auf. Wenn er doch nur ein
Brecheisen hätte. Da beschloss er, etwas zu tun, etwas, dass sehr viel
Mut erforderte, er rief: "Moment- ich komme gleich!" Schon lange hatte
er kein Wort
mehr gesprochen. Wozu auch, als letzter Mensch auf Erden hätte ihm so
oder so keiner zugehört. Die Worte kamen ihm etwas eingerostet über
die Lippen und es hörte sich wie ein Krächzen an. Wie hatte sich das
wohl für den Besucher da draussen angehört? Er verbiss sich ein Lachen
auf der Lippe, obwohl ihm das in seiner Lage wohl gerade gut getan
hätte. Sein Herz pochte wie wild und er rief nochmals: "Ich komme
gleich, ein Moment bitte" und während er rief, wurde er immer
aufgeregter. Er hatte fast
vergessen, wie es war, zu sprechen oder gar zu rufen. Nochmals rief er
"Ich bin sofort bei ihnen, ich hab da ein kleines Problem mit der Türe
und wenn sie nichts dagegen haben, so kann ich ihnen, während sie
warten, gerne eine Geschichte erzählen" rief er voll Freude. War das
schön, endlich wieder sprechen zu können. Er ging näher an die Türe und
sagte: "Wissen sie, es gibt soviel zu erzählen, ich habe jahrelang mit
keinem mehr gesprochen, und jetzt, da ich meine Stimme wieder gebrauchen
kann, will ich gar nicht aufhören damit." So plapperte er vor sich hin,
und vergass dabei ganz darauf, dass er eigentlich die Türe hätte öffnen
wollen. Plötzlich, mitten unter einem besonders langen Redeschwall, als
er gerade von den vielen einsamen Nächten berichtete, wurde er von einem
dumpfen Geräusch unterbrochen. Er hielt inne und ...
... streichelte seinen wohlgeformten Bauch. Oh, kriegte er jetzt auch
noch Blähungen? Sein Magen knurrte und begann Geräusche von sich zu
geben, welche an einen weit entferntes Donnergrollen erinnerten. Auch
das noch, dachte er sich und verkniff sich zur Sicherheit schonmal die
Hinterbacken. Mit verkreuzten Knieen ging er wieder zur Türe, ging
leicht in die Hocke umd das drohende Unheil aus seinem Hinterteil
unter Kontrolle zu bringen und griff wieder nach der Klinke...
als er bemerkte, dass er diese immer noch in der Hand hielt. Jetzt wurde
er nervös. Er presste sein Hinterteil so fest zusammen, als das möglich
war, er krabbelte, irgendwie einem Krebs ähnlich in Richtung Toilette,
doch auf halbem Weg spürte er bereits, dass kleine Batzerl in seine Hose
wanderten. Es liess sich nicht mehr aufhalten, also tat er das, was
jeder in seiner Situation getan hätte, er 
holte sich aus seiner Vorratskammer eine Tafel schwarze
Schokolade, brach sich ein fingergrosses Stück ab und schob es sich in
den Mund. Hastig zerbiss er es und schluckte so schnell er konnte die
Schokolade runter. Wie lange würde es wohl dauern, bis sie die
stopfende Wirkung annahm? Ein fieser Schmerz ergiff ihn in der
Bauchgegend. Er wand und krümmte sich am Boden. Es war wohl zu spät,
die schwarze Schokolade würde wohl nicht mehr helfen. Als plötzlich
 die Obstschüssel mit den Bananen vor ihm auftauchte. Die Rettung.
Eine frische Banane würde alles stopfen, sogar seinen Dünnpfiff. Mit
schmerzendem Bauch, wankte er, gekrümmt, die Türklinke in der Hand zum
Tisch, nahm eine Banane, schälte sie und ass sie. Da fiel ihm plötzlich
ein Witz ein, den er vor langer langer Zeit mal gehört hatte. Während er
daran dachte, musste er schmunzeln, doch schon verzog sich sein Gesicht
und wurde schmerzverzerrt. Die Banane begann zu wirken. Er spürte, wie
sich in seinen Gedärmen alles zu Klumpen verfestigte. Während er über
die Geräusche in seinem Inneren nachdachte, und frei von sonstigen
Gedanken war, hörte er es wieder... *klopf-klopf-klopf*. Es war die Türe
und jetzt
wurde ihm schlagartig bewusst wer da vor der Türe stand! Es konnte
nur der Seelenfänger sein. Was er eigentlich schon lange wusste,
sprach er jetzt keuchend vor sich aus. "Der Seelenfänger!" Er zitterte
nun am ganzen Körper. Einerseits wegen der lähmenden Darmmuskulatur,
andererseits wegen des Wissens, dass er den heutigen Tag nicht
überleben würde. Ein Funken Hoffnung hatte er noch, weil...
...er doch für diesen Tag eine ganze Wagenladung Knoblauch gelagert
hatte. Aber wo war der Knoblauch. Er konnte sich einfach nicht mehr
daran erinnern, wo er den vielen Knoblauch versteckt hatte. Er dachte
angestrengt nach, doch da zwickte es ihn plötzlich wieder im Bauch.
Ausgerechnet jetzt, in seiner vermutlich letzten Stunde musste er auch
noch Blähungen bekommen. DAS war einfach nicht fair. Hatte er nicht
schon genug Lasten zu tragen? Musste das auch noch sein. Er zog seine
Hose aus, und betrachtete die braunen Flecken in der Unterhose. Sollte
ihn so der "Seelenfänger" holen? Mit einer begackten Unterhose? Aber er
hatte keine saubere mehr, er musste erst waschen, um sich ordentlich
präsentieren zu können. Er machte sich also auf den Weg zur
Waschmaschine, und plötzlich stolperte er über einen...
Gegenstand wie er noch nie einen gesehen hatte. Es war ein
Kästchen das auf alle Enden hin funkelte und glänzte! Er wollte schon
weitertorkeln, als seine Neugierde ihn übermannte und ihn innehalten
lies. War es aus Gold? Edelsteinen? Woher kam es? Er wusste nur eins
ganz bestimmt: seines war es jedenfalls nicht. Wer hatte es hier
hingelegt oder verloren? In beiden Fällen jedenfalls- musste jemand in
seinem Haus gewesen sein! Ein lauter Furz entwich ihm und er spührte
wie es unangenhem anfing zu riechen. Genau in diesem Moment...
öffnete sich das Kästchen wie von Geisterhand. Es war eine Spieluhr
im Inneren. Musik!!! Wie lange hatte er keine Musik mehr gehört.
Destoweniger störte es ihn, dass das Kästchen "Spiel mir das Lied vom
Tod" quietschte. Verzückt lauschte der den melodischen Klängen,
verträumt blickte er umher, er vergass die schmutzige Unterwäsche, er
vergass den Gestank, er vergass sogar auf das *klopf-klopf-klopf*. Es
klopfte wieder an der Türe...
.. und vielleicht ist es gar nicht der Seelenfänger, schoss ihm durch
den Kopf! Denn dieser wäre doch schon längst eingetreten und hätte ihn
des Lebens beraubt. Wer konnte es also sonst sein- der so hartnäckig
um Einlass bat? Nun ein Staubsauger-Vertreter konnte es ja nun auch
nicht sein- oder etwa doch? Verschmutzt, verschwitzt und taubem Magen
kroch er zur Türe. Jetzt oder nie, irgendwann werde ich diese Türe ja
doch öffnen müssen, sagte er sich. Er kroch weiter...
..stinkend, furzend und halbnackt wie er war. Er schleppte sich über
den Boden, alles tat ihm weh und er kam schliesslich zum xten Mal an
diesem Abend vor der Türe an. Hinter ihm säuselte die Edelstein besetzte
Spieluhr immer noch das Lied vom Tod.
Wer ihm die wohl gebracht haben mochte? Der Seelenfänger würde ihm wohl
keine Spieluhr schenken. Er grübelte während er so vor der Türe sass. Er
dachte an dies und das, und vor allem dachte er daran, wie dieser Abend
bisher verlaufen war. Seit Jahren hatte er keinen solchen mehr erlebt.
Wer wohl der Urheber dieses schwächlichen Klopfens sein mochte. Da fiel
es ihm wie Schuppen von den Augen, es war sicher...
...eine Halluzination! Ja genau, das war es ganz bestimmt. Er träumte
es sicher nur- alles war nur ein Traum und gleich würde er
wohlbehalten in seinem Bett erwachen. Er kniff sich fest mit seinen
langen Fingernägeln in den Oberschenkel. So fest, dass es zu bluten
begann. Es war kein Traum. Es war Realität. Der Schmerz bewies es ihm.
"Scheisse", dachte er laut und begann bitterlich zu weinen. Er war mit
seinen Nerven am Ende. Sein Blick fiel auf die Wand gegenüber und er
sah die alte Winchester seines Vaters. Vater hatte die Waffe immer
geladen um für alle Fälle bereit zu sein. Nun war so ein Fall. Er
robbte hastig zur alten Flinte, zog sich an der Wand hoch und riss die
Knarre aus der Halterung. Er kontrollierte die Trommel- voll geladen
mit 6 Schuss! Er strahlte übers ganze Gesicht als er die Winchester in
den Armen hielt, als 
der Lauf abbrach. Das hatte er nun davon, dass er das Teil seit
Jahren nicht mehr gepflegt hatte. Da stand er nun, mit dem nutzlosen
Vorderteil der Winchester, mit blutendem Oberschenkel, einer begackten
Unterhose, Magen- und Darmkrämpfen, einer Türklinke, einem Schlüssel,
einer Spieluhr auf dem Boden, sein Gesicht bekleckert mit Schokolade und
Bananenresten, dem Foto seiner Frau, seinen träumerischen Erinnerungen
an die Vergangenheit... Er begann nachzudenken. Was konnte er jetzt noch
tun? Worin lagen seine Chancen, den vermeintlichen Eindringling
loszuwerden. Da kam ihm plötzlich die eine Frage in den Sinn, er hatte
sie vergessen, die einzig logische Frage, die man fragt, wenn es an der
Tür klopft. Er hatte nicht daran gedacht, sie zu stellen, da ihn schon
ja seit Ewigkeiten niemand mehr besucht hatte.
Er kroch also in die Mitte des Raumes, vollbeladen, kniete sich hin und
sagte laut: "Wer ist da?". Auf einmal...
...hoerte Gesang. Er kam von draussen. Oder kam er aus seinem Kopf? Er
wusste es nicht. Es klang so wunderschoen, dass er die Tuer, seinen
Magen-Darm-Trakt, die Tuerklinke sowie die Spieluhr sofort vergass. Auch
die
schmutzige Unterhose und sein verklebtes Gesicht waren ihm ploetzlich
voellig egal. Er sass einfach nur da und lauschte diesem traumhaften
Gesang,
der nur von einem blutjungen unschuldigen Maedchen stammen konnte,
als...
... es ihm wieder einfiel. Schon einmal hatte er ebendiesen Gesang
gehört. Es war vor vielen, vielen Jahren, er war gerade auf einem
Ruderboot und fischte. Irgendetwas zog an seiner Angel und er dachte, er
hätte einen besonders kapitalen Fang am Haken. Und da hörte er es, es
kam aus der Tiefe des Sees. Ein Gesang, wie er ihn vorher noch nie
vernommen hatte, es war traumhaft, fast unglaublich, schier
unbeschreiblich. Der Rhythmus nahm ihn mit ... *dum-dum-dum*,
*dum-dum-dum*, *dum-dum-dum*, *klopf-klopf-klopf*. Es klopfte wieder an
der Türe. Er wurde aus seinem Träumen gerissen und starrte die Tür an.
Ganz plötzlich...
...hoerte er, wie draussen ein Sturm aufzog. Es begann zu blitzen und zu
donnern und ein orkanstarker Wind ruettelte an seinem alten Haus. Nun
mach
ich die Tuer bestimmt nicht auf, dachte er. Er hatte als Kind ein
schreckliches Erlebnis bei einem dieser Stuerme. Seine ueber alles
geliebte
Katze wurde von solch einem Blitz getroffen! Er musste mit ansehen, wie
sie
foermlich explodierte und am Ende nichts mehr von ihr uebrig blieb.
Ihren
schmerzerfuellten Schrei wird er wohl niemals in seinem Leben vergessen
koennen. Dieses traumatisierende Erlebnis von damals nahm ihn wieder in
Besitz! Er zitterte. Er schwitzte. Wieder ging etwas in die Hose - aber
diesmal vor Angst, und er spuerte es nicht einmal. Er suchte verzweifelt
auf
allen Vieren nach einem sicheren Versteck, als...
...ein besonders lautes Donnergrollen zu hören war. Was war nur los mit
ihm? Das war doch sonst nicht seine Art. Ganz verstört suchte er immer
noch nach einem Versteck und das beste, dass ihm einfiel, war sein Bett.
Ja, er würde unter seinem Österreichbezug Schutz und Zuflucht suchen und
hoffentlich auch finden. Er kroch, so schnell er konnte zum Bett und
wollte gerade hochkriechen als ein schauerlicher Blitz in den Baum (er
konnte ihn durch's Fenster sehen) neben seinem Haus einschlug. Der Baum
fing Feuer, er brannte bereits lichterloh und der Wind trieb die Flammen
genau auf das Haus zu. Scheisse! Auch das noch. Als ob der bisherige
Verlauf des Abends nicht schon turbulent genug gewesen wäre. Jetzt fing
mit aller Wahrscheinlichkeit auch noch das Haus zu brennen an. Aber was
nützte es, er musste etwas tun, um das Feuer aufzuhalten. Er rannte zur
Türe...
...und stand nun mit leeren Haenden davor. Wo war denn blos die
Tuerklinke?
Der verdammte Schluessel fehlt auch! Also begann er zu suchen, zuckte
bei
jedem Blitz und jedem Donnergrollen wie ein veraengstigtes Kaninchen
zusammen. "Klopf-klopf-klopf" Mist, wer auch immer das ist, steht ja
auch
noch vor der Tuere. Die Aussicht, bei diesem Unwetter nicht mehr allein
zu
muessen, ließen ihn schneller und hektischer suchen. "Ich bin gleich
da!"
schrie er zur Tuere. Er stolperter ueber die gesuchte Tuerklinke, flog
mit
dem Schaedel vor seinen alten Kamin - nun kamen auch noch moerderische
Kopfschmerzen dazu. Egal, er nahm die Klinke und fummelte sie
umstaendlich
in die Tuer, nun fehlte immer noch der Schluessel. Vielleicht lag er...
... noch immer in der Nähe der Spieluhr (die übrigens immer noch vor
sich hin dudelte), wo er zuerst gestanden hatte. Noch viel hektischer
kroch er am Boden herum, suchte überall, unter dem Tisch, neben dem
Bett, hinter der Küchentür, im Wäscheschrank, unter dem Teppich,
zwischen den Dielenbrettern, sogar oben am Lampenschirm. Währenddessen
kroch das Feuer immer näher in Richtung Haus.
Da kam ihm plötzlich eine Idee. Der SChlüssel könnte unter der Spieluhr
liegen. Er kroch hin und hob sie in die Höhe. Er fand zwar nicht den
Schlüssel darunter, aber etwas anderes, es war...
...die Haarspange von seiner, Gott hab sie seelig, verstorbenen Frau.
Vielleicht koennte er dieses Ding benutzen, um die Tuere zu oeffnen...
Wieder holten ihn alte Erinnerungen ein. Wie schoen war sie doch, wenn
sie
diese Haarspange trug. Ihr golden glaenzenden Haar, zusammengehalten von
diesem wunderschoenen Ding... Nein, sagte er zu sich selbst, die Spange
halte ich in Ehren, und wenn ich die Tuer in hundert Jahren nicht
aufkriege!
Draussen wurde das Prasseln des Feuers immer lauter! Rauch kroch schon
unter
der Tuer hindurch und vernebelte langsam das Haus. Wie krieg ich blos
diese
bloede Tuer auf? Da fiel ihm seine Axt ein, die noch irgendwo sein
muss...
>

-- 
   ___  ______________  _____ 
  / _ \/ __/ ___/  _/ |/ / _ |  @@@@   http://www.8ung.at/afn
 / , _/ _// (_ // //    / __ | @@()@@  Zuständig für Ganeu-Niy
/_/|_/___/\___/___/_/|_/_/ |_|  @@@@   http://www.8ung.at/regina

        

Sponsored by: Regina
Datum: 16.02.2004

Rubrik: Grenzgeniales
Eichhof
Wer Moshes nachmacht ...
Nostalgie
Karl-Otto und Henry
Gedanken zum Wochenede
Erwünschte Werbung
Vendi laus amoris, paxe, trixe, caputisse
Ode an Keyboard und Maus (ausgemustert)
Der Hex-Thread
Aumäuse II
Aumäuse I
42 und andere schöne Zahlen
Der Alltag eines Netzwerkadministrators
Regina lässt Haare
Radio Eriwan
BÖSEr Nonsens, made in CH
Manomann 2004-07
Mannomann_2004_08
Die Gruselgeschichte
TKP vs. kaltes Bier
Ballermann
OT-Wahrscheilich langweilig...
Wie man beim Formulieren unschlagbar wird
10 Dinge
Wie man von Bayern nach Österreich gelangt
Also sowas!
Mano ist schuld!
Tastatur-Thread
Ö-Bezug
RfD leicht gemacht
Bericht zum AFN-Treffen vom 10.03.2001
Homunculus Politicae -
Ein Silvester-Maerchen

Es muss einmal gesagt sein
Der Hecht
Das Lotterleben der Pinguine